
Destillerie
Fleischmann
Seit über 40 Jahren
Destille Blaue Maus®
Deutschlands älteste Single Malt Whisky Destillerie
Mit Sitz in Neuses/Eggolsheim werden nunmehr seit über 40 Jahren Single Cask Malt Whiskys gebrannt. Den Grundstoff Malz wird heimischen Mälzereien bezogen. Durch die Vielfalt des Malzes entfaltet jede Sorte ihren eigenen Geschmack. Bis zur Genussreife werden die Whiskys mindestens 6-8 Jahre in großen Eichenfässern gelagert. Aufgrund unserer Single Cask Abfüllungen hat jedes Fass seinen eigenen Jahrgangsreiz. Seit April 2007 bieten wir zu unseren Malts auch einen Grain an.



Schauen, schmecken, schlafen, schenken
Erleben
Wir laden Sie ein, bei einer unserer geführten Destilleriebesichtigungen unsere Whiskys zu probieren und sich in die Geheimnisse der Whiskyherstellung einweihen zu lassen. Im Anschluss können Sie in unserer Gaststätte Zur Blauen Maus einen gemütlichen Abend verbringen und unsere Whiskys verkosten.
Gerne können Sie auch die Nacht in einer unserer Ferienwohnungen verbringen, damit Sie anschließend in kein Auto mehr steigen müssen.
Für den Fall, dass Sie ein Erlebnis bei uns in der Destillerie Blaue Maus verschenken wollen, können Sie auch einen Gutschein kaufen.
Erlebe die Destillerie Blaue Maus®
Führung durch
die Destillerie

Destillerieführungen durch unsere Räume
Die Führung beinhaltet die Erklärung unserer Destille, der nötigen Produktionsschritte von der Auswahl des Malzes bis zum fertigen Whisky sowie die Besichtigung unseres Fasslagers. Zum Abschluss können Sie die Führung gemütlich bei einem Abendessen und evtl. anschließender Whiskyverkostung in unserer maritimen Gaststätte „Zur blauen Maus“ ausklingen lassen oder unseren Verkaufsraum, in dem Sie unser ganzes Sortiment finden, besuchen. Als besondere Spezialitäten erhalten Sie dort unsere Whiskypralinen, Whiskymarmeladen und echte kubanische Zigarren.
Robert oder Thomas Fleischmann werden Sie persönlich über die Feinheiten der Herstellung, Geschichte und Sortenvielfalt unserer Whiskys informieren.
Erlebnisse verschenken
Gutscheine
Sie suchen eine ausgefallene Geschenkidee? Mit unseren Gutscheinen verschenken Sie einen spannenden Ausflug in die Welt der Whiskyherstellung, kombiniert mit einem leckeren Gaumenschmaus. Gestalten Sie Ihren Besuch nach Ihren individuellen Wünschen.
Sie können unsere Gutscheine telefonisch und per E-Mail bestellen oder kommen Sie einfach in unserem Ladengeschäft vorbei.
Destillerie-Gutschein

Gutschein über einen Besuch in Deutschlands ältester Single Malt Whiskydestillerie
Wir bieten Ihnen die Möglichkeit einer geführten Destilleriebesichtigung.
Nach Belieben können Sie im Anschluss in unserer Gaststätte bei einem gemütlichen Abendessen unsere Whiskys verkosten.
Für unsere Gäste, die unsere Whiskys auch gerne zu Hause genießen möchten, hält unser Team eine exklusive Auswahl in verschiednen Größen bereit.
Gaststätten-Gutschein

Gutschein über einen Besuch in unserer Gaststätte „Zur Blauen Maus“
Erleben Sie die urige, maritime Atmosphäre und genießen Sie unsere kulinarischen Spezialitäten.
Sie erwartet ein mit originalen Accessoires liebevoll eingerichtetes Lokal.
Lassen Sie sich für einen Abend in eine längst vergessene Epoche der Seefahrerromantik entführen.
Philosophie des Familienbetriebs
Familie Fleischmann
Gemeinsame Leidenschaft damals
Bei uns steht hinter unserer Whiskydestillerie „Blaue Maus®“ vor allem eines: Gemeinsame Leidenschaft.
Gegründet wurde sie 1983 von Robert Fleischmann, der auf Anraten unseres damaligen Zollbeamten Walter Schaub darauf hingewiesen wurde, sich eine Mälzerei zu suchen, Gerstenmalz zu erwerben, diesen einzumaischen, destillieren und das Endprodukt in Eichenholzfässer zu lagern um dieses nach drei Jahren Lagerzeit als Single-Malt-Whisky deklarieren zu können.
Diese Pionierarbeit von Robert und Anita Fleischmann legte Ende der 1990er Jahre den Grundstein zur Whiskyherstellung in Deutschland und Teilen von Europa.
Bis heute prägt uns dieser Anspruch, mit Erfahrung, Geduld und viel Sorgfalt einen ehrlichen Whisky zu entwickeln.


Familienunternehmen heute
Inzwischen führt Thomas gemeinsam mit seiner Frau Petra die Destillerie und trägt die Verantwortung für Produktion und Weiterentwicklung. Während Thomas sich vor allem der Herstellung und Qualität widmet, sorgt seine Frau für Struktur, Organisation und neue Ideen.
Beide führen den Betrieb mit viel Engagement und einem klaren Blick für das, was unsere Destillerie ausmacht.
Auch die nächste Generation ist bereits mit dabei: Tochter und Enkeltochter Julia wächst Schritt für Schritt in die Aufgaben hinein und bringt sich immer mehr in den Familienbetrieb ein.
So ist unsere Destillerie über die Jahre hinweg das geblieben, was sie von Anfang an war: ein Familienbetrieb, der seinem Vorsatz treu geblieben ist Qualität vor Quantität herzustellen, in dem jede Generation ihren Beitrag dazu leistet. Uns verbindet die Freude an gutem Handwerk und das Ziel, einen Whisky zu schaffen, der unsere Werte widerspiegelt.
Unsere Geschichte ist noch lange nicht zu Ende – sie reift, genau wie unser Whisky, mit jedem Jahr weiter.
Über die Familie Fleischmann
Die Geschichte
der Blauen Maus

Chronik eines Familienbetriebes
Zahlen und Fakten in einem kurzen Überblick
1923
Gegründet von den Geschwistern Kunigunde & Josef Held in Neuses Haus Nr. 52 als Lebensmittel- und Tabakwarenhandelsgeschäft. Bruder Georg war bei „Vogelsang Tabakwarenfabriken“ Bezirksdirektor.
1934
Ab 1934 war Kunigunde Held Alleininhaberin des Geschäftes. Zum Beliefern der Gastwirtschaften und anderen Geschäften war sie bis lange nach dem Krieg mit dem Fahrrad unterwegs. Ihr Bruder Jodef half per Motorrad bis zum Ausbruch des Krieges mit, so gut es ging. Zum Einkaufen war man mit dem Handwagen nach Bamberg und Forchheim unterwegs, um die Einwohner von Neuses mit Gebrauchsgütern zu versorgen.
1949
Von den Eltern Josef und Kunigunde Fleischmann wurde am jetzigen Standort ein Wohn- und Geschäftshaus erreichtet.
1960
Neubau eines betrieblichen Nebengebäudes.
1967
Aufgrund von Vorgaben der Zigarettenindustrie erfolgte ein Umbau der Geschäftsräume.
1969
Am 15. Februar 1969 heirateten Robert und Anita (geb. Förth) Fleischmann. Sohn Thomas und Tochter Angelika wurden geboren.
1973
Im Dezember 1973 wurde der Betrieb an den Sohn Robert Fleischmann übergeben.
1975
Zukauf eines Tabakwarenhandels in Baiersdorf. Dadurch wurden die Lager- und Garagenräume neu errichtet.


1980
Die Branntweinbrennerei wurde eingerichtet.
1983
Am 19. Februar 1983 erfolgte der erste Versuch, Pure Malt Whisky herzustellen. Es erfolgten weitere Versuche mit teilweise fürchterlichen Ergebnissen. Nach dem Motto: Üben – Üben – Üben!
1984
Geschäftserweiterung durch Anbau. Im Anschluß daran erfolgte der Ausbau des Kellers als Maritimes Lokal „Zur Blauen Maus“. Man bleibt der Marine und der See treu!
1996
In diesem Jahr wurde mit dem Verkauf des Whisky’s begonnen.
2000
Sohn Thomas mit Frau Petra sind als Nachfolger im Betrieb tätig.

Geschichtsstunde
Es war einmal…
Unser freundlicher, durch den Garagenbau bereits bekannte Grenzsteinnachbar hatte zu seinem Grundstück ein Wegerecht über ein Privatgrundstück. Durch die Umlegung wurde seine Flurnummer aus Versehen uns zugeschrieben, er bekam eine andere. Ich hatte jetzt die Flurnummer mit dem Wegerecht, das heißt er hatte plötzlich keine Zufahrt zu seinem Grundstück mehr. Auf Bitten von Bürgermeister Eismann und dem zweiten Bürgermeister Körber wurde das Problem gelöst, da der Wegerechtgeber kein Interesse hatte, dieses Recht mit der neuen Flurnummer neu eintragen zu lassen. Und ich hatte keinen Nutzen von dem Wegerecht. So verzichtete ich auf das Wegerecht zugunsten des Grenzsteinnachbarn. 1978 bauten wir dann unser Brennereigebäude.
Der Zimmermann Saffer hatte von mir die Anweisung, die Dachsparren nicht zu weit ablaufen zu lassen, damit wir nicht über die Grenze bauten. Es kam wie es kommen musste: Fertig gedeckt mit Dachrinne lagen wir 4cm über Grenzsteinmitte. Der Nachbar erkannte das und zeigte uns beim Landratsamt an. Also das Ganze zurück: Dach abdecken, Dachrinne abbauen, Sparren abschneiden, denn dem Grenzsteinnachbarn passte das nicht. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich das Wegerecht nicht behalten habe, mein Nachbar müsste dann mit dem Hubschrauber einfliegen.
1980 wurde die Brennerei in Betrieb genommen Mit einem Jahreskontingent von 300 Ltr. Alkohol besteht die Möglichkeit, Obst und mehlige Stoffe zu verarbeiten. Wir erhielten eine ausführliche Einweisung durch den Zollbeamten – insbesondere zu den rechtlichen Bestimmungen.
Zur Inbetriebnahme der Brennerei am 15.03.1980 wurde eine Getreidemaische destilliert, die vier Tage vorher unser damaliger Zollbeamte Walter Schaub nach seinen Anweisungen mit mir eingemaischt hatte. Auch in den Destilliervorgang wies er mich ein und seine Aussage für ein gutes Destillat ist noch heute gültig: Guter Rohstoff und sich beim Destillieren Zeit lassen „Mann muss den Schnaps herausbeten,“ d. h. je langsammer- und gleichmäßiger der Mittellauf behandelt wird, um so feiner wird das Produkt.
In Neuses gab es schon mal eine Brennerei und so hatten wir natürlich anfangs auch viele neugierige Zuschauer unter den Einheimischen, die zu den unmöglichsten Zeiten vorbeischauten. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich füllte sie schließlich mit Beck’s Bier und Proben des Hochprozentigen aus dem Messzylinder (die hatten mindestens 80% Alkohol) ab. Die Folgen kann man sich vorstellen, aber danach war Ruh’ und wir konnten endlich wieder ungestört arbeiten.
Eines Tages waren Schorsch, der mir seit 1975 als hilfsbereiter Geist zur Seite stand, und ich gerade mit dem Abfüllen der Flaschen im Keller beschäftigt, als wir von zwei in grün gekleideten Herren Besuch erhielten. Nach drei Stunden Zuschauen, Bier trinken und etlichen Schnapsproben waren ihre Klamotten „blau gefärbt“ und bevor sie den Dienstwagen schließlich zum Schichtwechsel auf der Dienststelle abgaben, gingen sie noch zu einer Bekannten zum Kaffeetrinken – um wenigstens halbwegs klar zu sein.
Am 03.10.1982 war der für uns zuständige Zollbeamte Walter Schaub für einen Brennerei- Kontrollbesuch im Haus. Bei der Gelgenheit machte mir mein Lehrer, der von der Alkoholherstellung mit Sicherheit mehr verstand als ich, in seiner korrekten Art, aber so bestimmend, dass man sicher ist es machen zu müssen, den Hinweis, doch mal Malz einzumaischen und zu destillieren. Jahre später, lange schon in Pension, erfuhr ich von Ihm, dass er Asubilder am Zollamt war. Das erklärte auch die Dienstbesuche mit jungen Mitarbeitern, dennen er die Alkoholherstellung nahe legte. Auch ich war dankbar für jede Beratung.
Im Grunde genommen ist er der Verursacher und Urheber der Deutschen Whiskybrenner Welt und im Gefolge Österreich und die Schweiz.
Den fertigen Stoff sollte man dann in Eichenfässer einlegen, heraus käme dabei Whisky. Im Fachbuch „Brennereitechnologie“ aus dem Ulmer-Verlag war damals eine halbe DIN A5-Seite zur Whiskyherstellung zu finden, die sich auf Beschreibung und Bezeichnung der Whiskysorten beschränkte. Wie er gemacht wird, sollte man wohl selber herausfinden. Das erste Problem war, woher ich dafür das Malz kriegen sollte. In der näheren Umgebung war nichts erhältlich. Schließlich wäre ich ja auch kein Großabnehmer. Ich streckte die Fühler über die fränkische Grenze aus und fand eine Mälzerei und eine aufgeschlossene Besitzerin, die Gefallen an meiner Absicht fand und zunächst einmal in ihren Fachbüchern stöberte. Ich kaufte von ihr schließlich zwei Malzsorten (Rauch- und Pilsmalz) ein.
Am 19. Februar 1983 war es dann schließlich so weit: Das „Hauptzollamt Stuttgart – Zentralstelle Abfindungsbrennen“ genehmigte die Herstellung von Branntwein. Am 15. Februar maischte ich erstmals Malz ein, vier Tage später floss das erste Destillat aus der Brennblase. Die Behandlung und das Einmaischen, das nirgendwo geschrieben stand, fand in Anlehnung an bisherige Getreidemaischen statt. Notizen über die Vorgänge beim Maischen anzulegen, war das A und O. Den vorgegebenen Steuersatz (=Ausbeutesatz) habe ich übrigens damals nie erreicht. Trotzdem war natürlich jedes Mal die komplette Branntweinsteuer fällig.
Und so ging es dann weiter: Fehler suchen, üben, Notizen machen, Einmaischen und Destillieren, anmelden und Steuern zahlen. Denn über den gesetzlichen Ausbeutesatz hinaus gibt es eine – bedingt durch gute Vorarbeit, gutes Obst und gutes Getreide – erreichbare Mehrausbeute: „Der Überbrand ist des Brenners Lohn“. Der Steuersatz betrug damals pro Liter reinen Alkohol 21,75DM Branntweinsteuer und war jeweils nach dem Destillieren im darauf folgenden Monat zu bezahlen.
Wir hatten damals einen in Bamberg stationierten US-Soldaten namens Peter im Ort, der überzeugter Whiskytrinker war. Sein Glas füllte er stets bis zwei Finger breit unterhalb des Randes, also Abstand Daumen – kleiner Finger. 1945 schenkte ich ihm zum Geburtstag ein Einmachglas mit einem Liter Whisky. Er und seine Freunde waren begeistert von dem Getränk: „Really lovely.“ Das war der Auslöser weiter zu üben und mit der Zeit wurden die Fehler erkannt und beseitigt. Auch die Ausbeute wurde deutlich besser. Ich empfand diese Tätigkeit als selbstverständlich für einen Brenner und mein Whisky war aus meiner Sicht nichts besonderes, sondern stand auf einer Stufe mit dem Korn oder dem Zwetschgenbrand, den ich ebenfalls herstellte.
Deutscher Whisky war spätestens seit 1958 durch den bekannten „Racke Rauchzart“ ein Begriff und für mich auch ein Vorbild. So betrachtete ich mein Tun nicht als Novität in Deutschland, denn ich machte ja nichts anderes als Racke – Whisky eben. Im Jahre 1985 machte dann mein Brenn-Lehrer den Vorschlag die damals hergestellten Brände (Korn, Zwetschgen, Kirsch) und zwei Sorten Whisky, die eigentlich nach zwei Jahren noch nicht so bezeichnet hätte werden dürfen, einer Prüfung zu unterziehen. Also meldete ich die Spirituosen beim Baden-Württembergischen Brennereiverband, der mit der Universität Hohenheim zusammen arbeitete, zur Spirituosenprüfung an.
Auf meinen Etiketten stand lediglich das Wort „Whisky“, zusammen mit Alkoholgehalt, Name und Herkunft, nicht aber die Art des Rohstoffes, also zum Beispiel Malz, was sich dann 1996/97 noch als Glücksfall herausstellen sollte. Bei der Abschlussveranstaltung erhielten wir als Gastantragsteller eine vorzügliche Bewertung. Ein pensionierter Zollbeamter namens Ries gab mir schließlich noch deutlich und bestimmend weitere Ratschläge zur Aktivkohlebehandlung, zum Filtern und noch einiger anderer Dinge mit auf den Weg.
Die Zeit verging. Wir destillierten in Abständen von ein bis zwei Jahren immer wieder Malz und es baute sich so ein beträchtliches Lager auf. Ein Teil des 300-Liter-Kontingentes, das ich mit meinem Brennrecht herstellen durfte, wurde bevorratet oder aber auch damit die fällige Branntweinsteuer bezahlt. Das waren bei 300 Liter 6.000 DM pro Brennjahr für eine Ware, die gelagert ist und viele Jahre warten muss, bis sie gereift ist und verkauft werden kann.
1993 und 1995 traten wir dann wieder mit unseren Whiskys beim Baden-Württembergischen Brennereiverband an, um sie erneut testen zu lassen. Vor allem interessierte uns, welchen Einfluss die Lagerung auf den Whisky gehabt hatte. 1993 erhielten wir ebenso gute Bewertungen wie schon 1985.
1995 dann die Überraschung: Der Whisky wurde mit einem „Falsche Bezeichnung“ deklariert und erhielt Null Punkte, er war also durchgefallen. Wir fanden heraus, dass ein Brenner aus Owen auf der schwäbischen Alb in der Prüfungskommission als Tester tätig war, der angeblich wenige Jahre zuvor selbst begonnen hatte, Grain Whisky herzustellen und eine gute Bewertung erhielt.
Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt. 2006 erwarb meine Tochter Angelika in unmittelbarer Nähe zu unserem Betrieb ein Brennrecht mitsamt Anlage und arbeitet nun ebenfalls als Brennerin.
Durchdringend hallte das laut tönende Klingeln durch die gesellige Ruhe nach, als ich mich durch die schwere, holzumrahmte Eingangstür schob. Wohlwissend, dass mich die klirrend helle Klangfarbe noch die restlichen Schritte in den Raum begleiten würde, ehe sie sich – für gewöhnlich leise abklingend – in den weiß gestrichenen Wänden um mir herum verlor. Nicht nur diese seltsam befriedigende Konstante fügte sich nahtlos in jene angenehm vertraute Aura des Geschäfts, welche mich in die Hülle einer heimeligen Blase packte, in dessen Inneren ich wie in Zeitlupe durch die verblassten Memoiren vergangener Tage schwebte. Freilich nur so weit, wie mich die, von umtriebiger Vorstellungskraft getriebenen kindlichen Erinnerungen zu zerren vermochten. Und doch trugen diese kecken Kinderaugen den glänzenden Schein unbekümmerter Wissbegierde in sich, während sie unter dem Schopf und über die Ladentheke hervorlugten.
Gefangen zwischen Altem und Neuen, wackelten seine Zehenspitzen in der Schuhgröße 43, dessen Umfang er eines Tages gewachsen sein würde. Solange dies noch nicht der Fall war, schnürte er sich eben die ihm passenden Latschen an und stiefelte frohen Mutes jeden Tag aufs Neue durch die Ladentür, die ihn schon von Weitem ankündigte. Solange, bis die Schritte immer weiter und die Schuhe immer größer wurden.
Nicht nur unsere verblassenden Erinnerungen, entwachsen mit der Zeit ihren Kinderschuhen, auch unsere Herzensangelegenheiten müssen wir von Zeit zu Zeit umtopfen, damit sie neu entkeimen, frische Wurzeln schlagen und die tollsten Blütenkronen tragen können.
Vor fast einem Jahrhundert erblickte in Neuses ein „Tante-Emma-Laden“ geführt von Kunigunde Fleischmann inmitten der Goldenen Zwanziger im Jahre 1923 das Licht der Welt. Im Lausbuben-Alter überdauerte er die Wirren der Vorkriegszeit. Seine rebellische Jugend war geprägt von den Unergründlichkeiten des Krieges.
Ob Krisen oder Frieden, der Tante-Emma-Laden war seit jeher ein fester Bestandteil des Neuseser Dorflebens. Ein lebhafter Knotenpunkt für den ganzen Ort, an dem jede Seele mit offenen Armen empfangen wurde. Daran änderte sich auch 1984 mit der Erweiterung und dem Hinzufügen einer Tabakgroßhandlung nichts.
Während Begriffe wie „Krämer“ und „Höker“ aus dem Sprachgebrauch verschwanden, wurde in der Bambergerstraße im Haus Nummer 2 das K immer noch großgeschrieben. K. Fleischmann thronte noch immer über dem einladenden Schaufenster. Ach ja und K wie Kunde natürlich auch, das versteht sich hoffentlich von selbst.
1996 gesellte sich dann mit dem Verkaufsstart der Single-Malt-Whiskys infolge der bereits 1983 gegründeten Whiskydestillerie „Blaue Maus“ ein wahrer Exot unter die alteingesessenen Süßigkeiten-Tüten, Brötchen und Presseblätter. Dies war der Startschuss für eine Ära im Zeichen der bronzefarbenen Destille sowie einer der Grundbausteine für Gegenwart und Zukunft.
Von wegen Midlife-Crisis im fortgeschrittenen Alter! Im zweiten Frühling blühte der „Tante-Emma-Laden“ regelrecht zum fränkisch-schottischen Mekka des Genusses auf. Feinschmecker, Nostalgiker, Stammkunden. Nicht nur in den Einheits- und Wendejahren kam jeder voll auf seine Kosten.
Auch die jüngste Vergangenheit zeugt von Hingabe und Leidenschaft, angetrieben vom Streben nach Perfektion für Kunden und Endprodukt. Das Jahr 2021 markiert nun einen entscheidenden Wendepunkt und birgt die Erkenntnis, auch noch im hohen Alter auf den richtigen Weg abgebogen zu sein. Der Umbau des Whisky-Shops integriert mit Tabakwaren, Zeitschriften und Feinkost stellt wortwörtlich den Startschuss für ein neues Jahrhundert voll Tradition und Neugierde dar.
Mithin schlägt er in dieselbe Kerbe, die sich schon seit 1923 durch die Fassaden dieses großen grünen Hauses zieht und dessen Erbe mit großer Zuversicht in die nächsten 100 Jahre geführt werden kann.
Damit ich auch noch auf meine alten Tage seufzend den Klang der durchdringend schallenden Klingel nachschwelgen darf. Den unverkennbaren Geruch von Heimat in mir aufsaugen kann. Damit dieser kindliche Zauber für immer und ewig einen Platz in meinem Herzen findet.
Nach dem Start 1983 stellte ich in den ersten fünf Jahren nur sporadisch Whisky her, da Steuern und Kosten des Wareneinsatzes in keinem Verhältnis zu den Einnahmen standen.
Ab 1990 betrieb ich die Sache dann intensiver und die Ausbeute und das Aroma des Whiskys wurden deutlich besser. Wie schon gesagt, betrug der jährliche Branntweinsteuereinsatz 6.000 DM und war sofort zahlbar. Außerdem summierten sich die Ausgaben für den Malz und weiteres Zubehör auf etwa 10 bis 15.000 DM. Dieser jährliche Aufwand musste dann auch mit den üblichen Zinsen vorfinanziert werden. Den Gegenstand „Whisky“ sieht eine Bank als „Luftsicherheit“ und ist daran auch nicht interessiert, weswegen keine Unterstützung seitens der Kreditinstitute zu erwarten war. Ich habe mich deshalb auch gar nicht erst darum bemüht und selbst der Vorstand als neugieriger Schnapsbrenner wusste lange nicht, was ich da machte.
In den folgenden Jahren entstand ein ansehnliches Whiskylager und 1996 versuchten wir den ersten Whisky unter dem Namen „Piratenwhisky – Pur Malt Whisky“ zu vermarkten – mit mitleidig belächeltem (Miss-)Erfolg.
Das änderte sich schlagartig, als der so genannte „Whiskypapst“, Professor Walter Schobert, der übrigens in der Nähe, nämlich in Erlangen geboren worden war, durch irgendjemanden eine Flasche Piratenwhisky in die Finger bekam. Er rief mich an und fragte, ob denn das stimmte was wir auf die Flaschen schreiben würden (reiner Malz). Als ich bejahte, meldete er sich für einen Besuch an. Nach seiner Ankunft zeigte ich ihm als Beweis die Zollbrennmeldung. Mit seiner Aussage „Dann gibt es einen Malt in Deutschland“ konnte ich damals zunächst wenig anfangen. Seine Veröffentlichung im gleichen Jahr in seinem Buch „Malt Whisky Guide – Führer zu den Quellen“ und die anschließende Resonanz in der Presse waren für uns natürlich eine angenehme Überraschung.
1995 konnte ich die Bundeswehrausstellung „Unsere Marine“ nach Forchheim vermitteln. Ehrensache, dass die Soldaten auf ein Bier in der „Blauen Maus“ zu Gast waren. Das Tresengespräch mit Ausstellungsleiter, Fregattenkapitän Dominik, führte über Schnapsbrennen im Allgemeinen bis hin zum Whisky. Ich bot ihm unseren Piratenwhisky an. Seine Meinung dazu war: „Der schmeckt besser als er heißt.“ Daraufhin forderte ich ihn in guter Laune auf, einen anderen Namen zu suchen. Nach kurzer Überlegung fragt er: „Wie heißt die Kneipe?“ „Blaue Maus“ „Denn machen wir eben ‚Glen Mouse’ daraus.“ Auf den Hinweis, dass wir noch eine zweite Sorte Malz hätten, meinte Dominik lapidar: „Die Marine ist blau, machen wir ‚Glen Blue’.“ Die Namen gefielen mir, also meldete ich sie im Oktober 1997 als Warenzeichen an.
Das Erstaunliche am Münchner Patentamt ist, dass man dort schneller arbeitet, wenn man das im Antrag entsprechend markiert und natürlich auch eine ganze Ecke mehr Gebühren bezahlt. Schon nach drei Monaten trafen die Urkunden ein. Weitere drei Monate dauerte die Frist, in der Widersprüche eingereicht werden konnten. Die Frist lief ohne Einsprüche ab. Am 26. Februar 1998 war ich stolzer Besitzer der Marke Glen Blue, am 26. März 1998 folgte die Marke Glen Mouse.
Am 28. Oktober 1998 erhielt ich ein dickes Kuvert des Deutschen Patentamtes. Eine Hamburger Anwaltskanzlei hatte die Löschung beider Marken im Namen der Scotch Whisky Association beantragt. Auf insgesamt 94 Seiten (wohlgemerkt pro Marke) begründete man, warum meine Marken gelöscht werden müssten. Das eigentliche Schreiben war gerade einmal sieben Seiten lang. Darin verwies man unter anderem auf die Destillerien „Glen Burgie, Glen Cadam, Glen Dronach, […], Glenfaclas, […], Glen Fyne, Glen Glasogh, Glen Goyne, […], Glen Kinchie, Glen Lochy, Glen Lossie, Glen Mavis, […], Glen Morray, […], Glen Scrotia, […], Glen Tauchas, Glen Ury und Glen Ugy“. Ebenso lang war ein Auszug aus „Johnston’s Gazetteer of Scotland“, einer Art alphabetischem Ortsverzeichnis, das zuletzt 1973 überarbeitet worden war und zeigen sollte, dass „Glen“ typisch schottisch ist.
Auf 21 Seiten war ein Urteil des Oberlandesgerichtes Wien zu finden, dass nur wenig Bezug zu meinem Fall aufwies. Auf sage und schreibe 40 Seiten waren lieblos angefertigte Kopien von Whisky-Etiketten mit so „berühmten“ Marken wie beispielsweise Glen Grigor, Glen Hardy, Gleniffer, Glen Ifa, Glenlanoch und Glenlomyn verewigt. Welcher Patentbeamter sollte dem widerstehen können?
Da gibt es im Patentrecht offensichtlich noch einen zweifelhaften Heckenparagraphen mit dem man allem widersprechen kann.Wir wurden also von der Scotch Whisky Association, einem Zusammenschluss fast aller großen Whiskyhersteller in Schottland, die zu dieser Zeit zusammen Jahr für Jahr um die 350 Millionen Liter Whisky auf den Markt brachten, verklagt.
Es ist natürlich verständlich, dass ich mit meinen 300 Liter reinem Alkohol jährlich eine Gefahr für diese Gruppe darstellte. Die großen Herren aus Schottland argumentierten also, dass das Wort „Glen“, was nichts anderes bedeutet als „enge Schlucht“, bei uns würde man wohl „Klamm“ sagen – auf Schottland hinweisen würde. Man beanspruchte dieses Wort als Eigentum und verglich dies mit der „Champagne“, dem „Burgund“ und anderen Regionen. Das Wort „Glen“ gibt es jedoch weltweit und ist meiner Ansicht nach kein schützensfähiges schottisches Eigentum. Was blieb mir anderes übrig, als einen Patentanwalt zu engagieren, denn wozu hatte ich denn die Urkunden aus einem eigenartigen Patentamt mit offensichtlich wertlosen Stempeln.
Man erweiterte die Vorwürfe und drohte sogar damit, eine Meinungsumfrage durchzuführen, um zu beweisen, dass das Wort „Glen“ den gewöhnlichen Kunden vermuten ließe, es mit einem schottischen Whisky zu tun zu haben.Letztendlich ließ man diesen Gedanken doch wieder fallen, wahrscheinlich, weil man es selbst als chancenlos einstufte.
Der nächste Einspruch war der widersinnigste von allen.
Er traf unsere Maus, die auf einem Holzfass sitzend abgebildet ist: Sie sei mit einem Truthahn zu verwechseln:
Auszug aus dem Anwaltlichen Schreiben der Scotch Whisky Association:
[…] „Im übrigen würde ein Verbraucher, der den ‚Whisky mit der Maus/Mouse’ bestellt, im Zweifel den bekannten Whisky ‚THE FAMOUS GROUSE’ erhalten. Der Whisky ‚THE FAMOUS GROUSE’ ist ein beliebter und bekannter schottischer Whisky. Dieser führt im Label ebenfalls ein Tier, und zwar ein schottisches Moorhuhn, auf englisch ‚Grouse’, was klanglich mit ‚Mouse’ nahezu identisch ist.“ […]
[…] „Wenn nun die Anmelderin blauäugig darauf abstellt, der ‚allein maßgebliche Bildbestandteil, nämlich die Maus’ täusche offensichtlich nicht über die Herkunft, so ist das eine glatte Schutzbehauptung. Wir haben bereits auf das Label von ‚THE FAMOUS GROUSE’ in Anlage AST 6 verwiesen. ‚THE FAMOUS GROUSE’ als ein bekannter und beliebter schottischer Whisky – als solcher auch als schottischer Whisky bekannt – führt ebenfalls ein Tier, nämlich eine ‚Grouse’, im Label. So ist die Anmelderin sowohl durch die Wahl des Namens ‚Glen Mouse’ in klanglicher Analogie zu ‚Grouse’, als auch durch die Verwendung des vom schottischen Whisky ‚FAMOUS GROUSE’ bekannten Tier-Motivs darum bemüht, den Verkehr durch diese Zeichen darüber irrezuführen, daß es sich um einen schottischen Whisky handelt. Sie hängt sich nicht nur klanglich sondern auch bildlich an Kennzeichnungen an, die der Verkehr mit schottischem Whisky verbindet.“
[…] Dann war das Schiff auf dem Etikett des „Glen Blue“ dran, das nichts anderes als eine Bark darstellte, wie zum Beispiel die Gorch Fock eine ist.
Dieses Bild verglich die Scotch Whisky Association mit der Cutty Sark, die dem bekannten Blended Whisky den Namen gab:
Auszug aus dem Anwaltlichen Schreiben der Scotch Whisky Association:
[…] „’CUTTY SARK’ als einer der bekanntesten und beliebtesten schottischen Whiskys – als solcher auch als schottischer Whiskys bekannt – führt eine Windjammer, nämlich ein dreimastiges Segelschiff mit drei Vorsegeln im Label. Es überrascht vor diesem Hintergrund nicht, daß auch das Segelschiff im Label der Anmelderin eine Windjammer ist, nämlich ein Segelschiff mit drei Masten und drei Vorsegeln. So ist die Anmelderin sowohl durch die Wahl des Namens ‚Glen Blue’ als auch durch die Verwendung des vom schottischen Whisky ‚CUTTY SARK’ bekannten Windjammer-Motivs darum bemüht, den Verkehr durch diese Zeichen darüber irrezuführen, daß es sich um einen schottischen Whisky handelt. Sie hängt sich nicht nur verbal sondern auch bildlich an Kennzeichnungen an, die der Verkehr mit schottischem Whisky verbindet.“ […] Die Cutty Sark war allerdings ein englischer Teeclipper, ein ganz anderer Schiffstyp und deutlich von der Bark zu unterscheiden. Also konnte man auch hier nicht punkten.
Selbst die Bezeichnung „Deutsches Erzeugnis“ wurde bemängelt. Erst die Drohung der Schotten, uns mit einer Unterlassungsklage mit einem wahrscheinlich maßlos überhöhten Streitwert zu überziehen, zwang uns zur Aufgabe und zum Rückzug. Nach dem Motto: „Viel Feind, viel Ehr“
Insgesamt 20.000 DM hat mich dieser „Spaß“ gekostet.



